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Home 2017-08-27T15:17:46+00:00

Marie Gouil

Ausgangsmaterial sind bei Gouil oft feine Stoffe, wie Vorhänge, Kleider oder Tischdecken. 

Solche Stoffe stehen in ihrer Kunst für den Menschen, der sie getragen oder benutzt hat. Sie stehen als Symbol für all die Erlebnisse, Erfahrungen und Geschehnisse seines Lebens. Wie eine leere Hülle sind sie, wie ein leeres, verlassenes Haus, das eins bewohnt und lebendig war.  
Insbesondere Brautkleider erzählen in verdichteter Form von vergangenen Hoffnungen, von Schicksal, Liebe und Enttäuschung. Die Künstlerin kauft solche Gegenstände gerne auf dem Flohmarkt, einem Ort der abgelegten Dinge.

Das Atelier

Im Eingangsbereich hängen im Fenster in großen Bahnen aus Transparentpapier Abdrücke von solchen alten Brautkleidern. Es sind Abriebe also Frottagen, bei denen die Künstlerin das Kleidungsstück unter das Papier gelegt und mit hochpigmentierter Lithofarbe die Strukturen übertragen hat. Jeder hat bestimmt schon einmal fasziniert die Oberfläche einer Münze auf diese Weise auf ein dünnes Blatt Papier durchgerieben. 

Leicht und beunruhigend

Die übertragenen Strukturen erscheinen auf dem transparenten Grund leicht und bewegt. Das Licht scheint hindurch und irgendwie macht es den Eindruck, als wollten sie  entschwinden.

Etwas Beunruhigendes haben diese Arbeiten aber auch. Vielleicht liegt es daran, dass das einst weiße Kleid im Gegenlicht auf dem transparenten Grund auf einmal dunkel, fast schwarz ist. 
Mit dem Versuch, das Kleid durch den Abdruck zu bewahren und damit all die Erinnerungen festzuhalten, hat sich zugleich eine befremdliche Transformation vollzogen. 
 

Erinnern

 
Eindrücklich machen diese Arbeiten deutlich, wie sich das, was einmal voller Leben war, zwar als Spur festhalten lässt, doch wie seine Hinfälligkeit letztlich doch nicht aufzuhalten ist. Der Versuch, es vor dem Entschwinden zu bewahren, hat es verändert. Es kann nicht bleiben, was es war.
Die Künstlerin fasst vielleicht deshalb in manchen Arbeiten energisch mit Pinsel und Ölfarbe Teile des Abriebs zu einer Fläche zusammen, so als wollte sie etwas heil und ganz machen und damit in die Gegenwart retten.
Im roten Saal, der sich im gegenüberliegenden Trakt befindet, hängen ebenfalls Abdrücke von Kleidern. Allerdings sind es Kinderkleider und:  sie sind strahlend rot. In ihrer starken Farbigkeit erzählen sie von gerade erst Erlebtem. Das Vergangene scheint noch ganz nah, so warm ist das Rot. Doch auch diese Stücke sind leere Hüllen. Abgelegte Kleider eines kleinen Mädchens, das vielleicht schon groß geworden ist.

Im oberen Stockwerk gibt es einen Raum, der Denkraum heißt. Diesen Raum hat Gouil mit experimentellen Drucken mit Kaffee und Pflanzenteilen gestaltet. Es sind sensible poetische Blätter von berührender Schönheit. 

“Gouils Kunst ist zum einen getragen von einer Wehmut, die das Vergehen als stillen Schmerz erlebt. Zum anderen ist sie ein Triumpf, der das Vergehen durch Schönheit und Poesie überwindet. Auf diese Weise verweben sich in ihren Bildern Werden und Vergehen zu einer Art Zeitlosigkeit.”

Christine Schön

 

Vita

… wurde 1987 in Sarcelles, Frankreich, geboren. Ihre Wurzeln liegen in der rauen und schönen Bretagne.

Sie nimmt 2007 ihr Kunststudium in Metz, Frankreich, an der Université Paul Verlaine, auf. Und schließt 2010 mit der Licence Arts Plastiques in Paris an der Université Paris1 Panthéon-Sorbonne ab. Zu ihren Dozenten gehören Elisabeth Amblard, Côme Mosta-Heirt.

Von 2011 – 2013 studiert Marie Gouil zusätzlich an der Freien Kunstakademie Mannheim. Das Diplom der Akademie erhält sie 2013. Sie lernt u.a. bei Alice Musiol, Rainer Negrelli.

2012 ist sie Mitbegründerin der Künstlerinnengruppe art.crew artio.

Seit 2014 baut Marie Gouil ihre bisherigen Studien an der Universität Koblenz-Landau für den Schuldienst aus.

Seit 2016 ist Marie Gouil Mitglied der Künstlerwerkgemeinschaft Kaiserslautern.

Im November 2016 gründet sie den Atelier- und Projektraum Gouil & Bellenbaum in Kaiserslautern mit.

Sie lebt und arbeitet in Kaiserslautern.

2014
Couronnes de fleurs, VR-Bank Pirmasens

2013

Gepuderte Nasen – das Ringen um Sinnlichkeit, Kunstverein Heddesheim

Neun Diplome, Absolventin bei der Sommerausstellung der Freien Kunstakademie Mannheim

Lange Nacht der Museen, Mannheim Ludwigshafen

2012

Patenschaften, Club Arte, Mannheim

Junge Künstler in der Villa, Kunstverein Neustadt Weinstraße

Seit 2011 wurden ihre Arbeiten in diversen Einzel- und Gruppenausstellungen in Kaiserslautern, Mannheim, Heddesheim, Neustadt, Pirmasens gezeigt u.a.

2017

Weibsbilder im Kunstlager, temporäre Galerie, Kaiserslautern

2016

12 12 12 im Kunstlager, temporäre Galerie, Kaiserslautern

Internationales Kunstsymposium IHOCHX, Campus der TU Kaiserslautern

Kunstautomat, Kaiserslautern

Lange Nacht der Kultur, Kaiserslautern

Les Habits neufs de l‘empereur, temporäre Produzentengalerie, Kaiserslautern

2015

Heimatfragmente, Galerie Naffouj, Landstuhl

Ad/dress/es, Kulturclub Salon Schmitt, Kaiserslautern

Lange Nacht der Kultur, Kaiserslautern

Aktuelle Ausstellung

Atelier

Adresse

Wackenmühlstraße 1, 67655 Kaiserslautern

Öffnungszeiten

Donnerstag 15 – 17 Uhr

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